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Wolfgang Wallner-F. mit seinem Zwillingsbruder Walter
Auf beiden Bildern: Links Wolfgang, rechts der um 6 Stunden ältere Walter
(beide Fotos aus der Geburtstadt Krems an der Donau in der Wachau, Österreich)
Der Traum und sonstige Gründe zum Schreiben
(Kann möglicherweise noch ergänzt werden....)
Der Traum
Es wird so um meinem Schulbeginn gewesen sein, als ich diesen Traum hatte, der mir noch immer ganz deutlich bewusst ist.

Ich lebte am Rande eines Dschungels und war etwa in meinem wirklichen damaligen Alter.

Der Dschungel war undurchdringlich, doch musste er für den Weg zum Unterricht irgendwie überwunden werden, die Schule war von mir gesehen hinter dem Urwald. Wahrscheinlich in einer anderen Ansiedlung.
Um die Möglichkeit zu geben, in diese andere Ortschaft zu gelangen, gab es eine Schmalspureisenbahn, recht wackelig, alt und mit  Waggons versehen, die zwar ein Dach auf Eisenstangen festgemacht hatten, aber keine Seitenwände, nicht einmal Türen.
Die Bahn führte auf zwei Wegen zu ihrem Ziel: Links oder rechts herum um den undurchdringlichen Wald.
Das tägliche Problem für die Kinder war sich zu entscheiden, welchen Weg man einschlagen wollte, es fuhr gleichzeitig einen Zug in jede Richtung. Und kein Transport war irgendwie bewacht.

Dies war eine folgenschwere Entscheidung, denn im Dschungel lebte ein gefräßiger, riesiger Tiger.
Und es war sicher, dass er einen der beiden Züge auflauerte und Kinder für seine Nahrung schlug.
Bisher war es eben üblich gewesen, dass sich einige Kinder für Links, einige für Rechts entschlossen, ein Zug wurde aber täglich angegriffen.
Offensichtlich war es eine Premiere, dass ich zum Unterricht musste, denn ich hörte zum ersten Mal von diesem tödlichen Sachverhalt.

Ich schlug vor, dass alle Kinder zusammenbleiben, alle gemeinsam einen Zug benutzen sollten. Ich schlug auch die Linie nach rechts vor, was angenommen wurde.
Leider erwies sich die Wahl der Fahrtrichtung als folgenschwer, denn gerade dort lauerte heute die Bestie.
Doch rief ich die Kinder auf, ihre (damals hölzernen) Federpenale (Schreibwarenetuis) zu öffnen und den Tiger mit den Füllfedern zu beschießen. Was auch geschah.
Das hungrige Untier wurde also von unseren Füllfedern wahrlich bespickt und es rannte auch bald schreiend, über und über mit Tinte und Federn beschmutzt und behangen davon.
Wir waren gerettet und der Weg zur Schule frei.

Meine Interpretation des Traumes:
Ich glaube es war Carl Gustav Jung, bei dem ich gelesen habe, dass mit annähernd hundertprozentiger Gewissheit Kinder einen (fast immer unvergesslichen) Traum haben, der über die Zukunft Auskunft gibt.
Sicher aber war es Jung der postulierte, dass jeder Traum mit einem kreis- oder quadratförmigen Symbol (wie mein Dschungel) sich auf das Selbst bezieht.
(Das Selbst ist ein Archetyp, ein Mittelpunkt, der sich aus der Gegenüberstellung von Bewusstem und Unbewusstem ergibt. Die Geburt des Selbst bedeutet eine Verschiebung des bisherigen psychischen Zentrums und damit eine vollständig veränderte Lebenseinstellung und Lebensauffassung, eine „Wandlung“, siehe z. B. Jolande Jacobi: „Die Psychologie von C.G. Jung“).

Das
Untier in meinem Traum ist selbstverständlich eine Angst, die im Unbewussten wurzelt, vielleicht weist sogar die Richtung der Fahrt, nach Rechts, auf die Gefahr von Links, die im Normalfall die des Unbewussten ist.
Jedenfalls wurde diese Gefahr erkannt und erfolgreich bekämpft. Dies geschah solidarisch, durch eine Gemeinschaft, die auch einen gemeinsamen, gleichen Weg einschlug. Die Waffe war Tinte und Feder, die Waffen des Buches und der Aufklärung.

Vielleicht war dieser Traum der, der meine zukünftigen Absichten schon damals aufzeigte, oder sie aber auch begründete.
Wie auch immer, es ist mein erster, unvergesslicher Traum.


Genetische Gründe?
Vielleicht aber gab es (auch) genetische Hintergründe, die mich (unbewusst) beeinflussten, Schriftsteller zu werden.
Mein Großvater, den ich nie kennenlernte (er starb schon 1917) war auch schriftstellerisch tätig, doch erfuhr ich erst vor einigen Jahren Näheres aus seinem Leben.
In unserer Familie wurde über Anton Mauss wenn überhaupt, nur geflüstert.
Und das Flüstern hörte ich nicht.
Das hat folgenden Grund:
Anton Mauss
*1.3.1868 in Köln - †13.9.1917 in Wien
(Kirchenrektor zu St. Ruprecht, Wien),
mein Großvater

Vielleicht hätte ich eher Grund, meinen Großvater zu verschweigen.

Ich habe aber begonnen, meine „Begegnung mit meinem Großvater“ als fiktives Romanfragment mit dem Titel „Das Geheimnis - Jahre meines Großvaters“ zu bearbeiten. Ich hoffe dies irgend einmal fertig zu haben.
Die Quellen, die ich zu Hilfe nehmen will, sind sehr umfangreich und mitunter auch schwer zu erhalten. Das geplante Titelbild, ein Originalfoto und genau so auch originell, ist ganz unten zu sehen.

Mein Großvater war Anhänger, Mitarbeiter und auch Sprachrohr des sogenannten „Integralismus“.
Gerade deshalb habe ich mein Buch „Joseph“ ihm gewidmet. Denn dieses Buch bezieht neue wissenschaftliche Erkenntnisse, zum Beispiel der Physik, in alte Glaubensinhalte ein und nimmt damit eindeutig Stellung.
Ist also, wenn überhaupt, in einem Sprachkontext zum „Integralismus“ eindeutig dem „Modernismus“ zuzuordnen.

Was war der „Integralismus?
Ende des 19. Jahrhunderts öffneten sich katholische Theologen für neue Erkenntnisse der Wissenschaft.
Doch im Vatikan wurde das System der Neuscholastik verteidigt, jedes zeitgemäße moderne Denken als Modernismus verdammt. 1907 erließ Papst Pius X. eine Enzyklika, in der er sogenannte Modernisten als Irrlehrer hinstellte.

Zu diesem Zweck führte Papst Pius X. am 1. September 1910 den Antimodernisteneid ein. Er musste von Klerikern der Katholischen Kirche abgelegt werden, insbesondere von Bischöfen. Dieser Eid wurde erst 1967 von Papst Paul VI. abgeschafft. Den Eid hatten jeder angehende Subdiakon, alle Priester, bevor sie die Vollmacht zum Beichthören und Predigen erhielten, alle Pfarrer, Kanoniker u.a., wenn sie ihr Amt antraten, alle Beamten der bischöflichen und päpstlichen Kurie und alle Ordensoberen und -lehrer vor Übernahme ihres Amtes zu beschwören. Darunter litten sicher bis in jüngster Zeit etwa die Theologen Eugen Drewermann und Hans Küng, sowie viele andere Menschen, die sich aufrichtig theologischen Studien im Rahmen der Katholischen Kirche widmeten.

Der Eid (originale Rechtschreibung belassen):
Erstens: Ich bekenne, dass Gott, der Ursprung und das Ende aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der Vernunft durch das, was geschaffen ist, d. h. durch die sichtbaren Werke der Schöpfung, als Ursache mittels der Wirkung, mit Sicherheit erkannt und auch bewiesen werden kann.
Zweitens: Ich anerkenne die äußeren Beweismittel der Offenbarung, d. h. die Werke Gottes, in erster Linie die Wunder und Prophezeiungen, als ganz sichere Zeichen des göttlichen Ursprungs der christlichen Religion. Ich halte fest, dass sie dem Geist aller Zeiten und Menschen, auch der Gegenwart, auf das beste angepasst sind.
Drittens: Fest glaube ich, dass die Kirche, die Hüterin und Lehrerin des geoffenbarten Wortes, durch den wahren und geschichtlichen Christus selbst, während seines Lebens unter uns, unmittelbar oder direkt eingesetzt, und dass sie auf Petrus, den Fürsten der apostolischen Hierarchie, und auf seine steten Nachfolger gebaut wurde.
Viertens: dass die Glaubenslehre, soweit sie von den Aposteln durch die orthodoxen Väter übermittelt wurde, stets ein und dieselbe war.
Fünftens: dass der Glaube kein blindes Gefühl für Religion ist, das aus den verborgenen Gründen des Unbewussten unter dem Druck des Herzens und der Erregung des sittlich ungebildeten Willens hervorbricht, sondern dass er die wahrhafte Zustimmung unseres Verstandes zu einer Wahrheit ist, die von außen her durch Hören angenommen wird, durch die wir das, was von dem persönlichen Gott, dem Schöpfer und unseren Herrn gesagt, bezeugt und geoffenbart worden ist.

Weiter war die Zustimmung zu folgenden Verurteilungen zu beschwören:
Zu verurteilen ist der Irrtum aller derer, die behaupteten, der kirchliche Glaube könne der Geschichte widersprechen und die heutigen katholischen Dogmen ließen sich mit den zuverlässigen Quellen der christlichen Religion nicht in Einklang bringen.
Verurteilt wird die Meinung, nach der der christliche Gelehrte zwei Personen in sich vereinigen könne, eine, die glaubt, und eine, die forscht, so dass es dem Historiker erlaubt sei, etwas für wahr zu halten, was dieselbe Person vom Standpunkte des Glaubens als falsch erkennen muss.
Verworfen wird der Irrtum derer, die behaupten, dass der Lehrer, der Fragen der historischen Theologie behandelt oder wer auch immer sich mit diesem Gegenstande schriftstellerisch befasst, zuerst sich von allen Voraussetzungen frei machen müsse, sei es hinsichtlich des übernatürlichen Ursprungs der katholischen Überlieferung, sei es hinsichtlich des von Gott versprochenen Beistandes eines jeden Teils der geoffenbarten Wahrheit.
Ferner werden u.a. verurteilt alle jene, die in der christlichen Überlieferung überhaupt nichts Göttliches anerkennen oder diese Überlieferung im Sinne des Pantheismus auslegen, so dass die nackte und einfache, jeder anderen geschichtlichen Überlieferung gleichzustellende Tatsache übrigbleibt.

So also, soweit ich das aus historischen Quellen eruieren kann, war auch mein Großvater zu diesem Schwur gezwungen, sicher aber entsprachen zu dieser Zeit die Ambitionen des Papstes auch seinen eigenen.
Er war neben seiner Tätigkeit als Kirchenrektor zu St. Ruprecht von 1910 bis 1915 Herausgeber der Kirchenzeitung „Österreichs Katholisches Sonntagsblatt“, aber auch Redakteur des „Mariazeller-Glöckleins“, Präses und Förderer des Mariazeller-Wallfahrtsvereins, Verfasser des Mariazeller-Wallfahrtsbüchlein, der Gebete und Lieder auf der Wallfahrt nach Mariazell „O Maria, zu dir kommen wir“, aber auch Gründer und Leiter eines Knaben- und Jugendheimes in Wien, Währing, scheinbar nach Vorbild des Karl Freiherr von Vogelsang.
Hier ein Zitat aus der Chronik St. Ruprechts, Kirchenrektor Anton Mauss schreibt am 30. 8. 1916 in die Pfarrchronik:
„Der Krieg wütet nunmehr schon im dritten Jahr. Im Inneren eine immer größer werdende Hungersnot. Das Kalbfleisch kostet 12 Kronen pro Kilo, Schweinernes 14 Kronen! Es sind ganz entsetzliche Zustände. Förmlich anarchistische Zustände unter den Geschäftsleuten. Horrende Preise werden von ihnen verlangt. Für meine Gastkinder kriege ich zu Nicolo und zu Weihnachten nichts zu kaufen.
In allen Kirchen werden die Glocken heruntergenommen oder zerschlagen, überall zwei Drittel der noch vorhandenen. Man war auch schon bei mir, hab' jedoch versichert, dass ich nur durch Gewalt die Glocken wegnehmen lasse....”

Auch fand Anton Mauss hochrangige Fürsprecher in Rom, zum Beispiel die Gräfin Marie Henriette Chotek, die Schwester der Herzogin von Hohenberg, Ehefrau des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand. Sie fiel mit ihm zusammen dem Attentat von Sarajewo zum Opfer, das den Ersten Weltkrieg auslöste. Er war Erzieher im Hause des Erzherzogs Stephan (Quelle: St. Ruprecht-Mariazeller-Verein, Jahresbericht 1917, Privatbesitz) und war als solcher auch im Hause Fugger beschäftigt (Quelle: Zigarettendose mit Widmung, Privatbesitz).

Das alles kann natürlich nicht seine Tätigkeit im Interesse des päpstlich angeordneten Integralismus und der Zugehörigkeit zur Geheimliga des vatikanischen Unterstaatssekretärs Umberto Benigni relativieren. Benigni äußerte sich einmal so: „Die Gegenreformation ist in Deutschland leider abgebrochen worden; sie muss jetzt wieder aufgenommen werden.“ (Siehe Quellen).
Sicher muss man bei der Beurteilung solcher verheerenden Geistesströme, die  noch bis in die heutige Zeit Theologen behinderte und ihnen gewiss auch beklemmende Glaubensnöte verursachte, die Zeit des gewaltigen Umbruchs, die Zeit des „Fin de siècle“ berücksichtigen.

Ich hoffe, dass ich mit meinem Buch „Joseph-Der Weg zum Graal“ auch im Sinne meines Großvaters einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass in christliche Glaubensinhalte moderne Wissenschaft einfließen kann, ohne Gewissenskonflikte auszulösen, ja sogar das Christentum bereichern könnte.
Mein aufrichtiges Bedauern und Mitgefühl gilt allen jenen Menschen, denen mein Großvater durch seine Mitwirkung bei den damals von Seiten der Kirche nötig gefundenen Aktionen geschadet hat und ihnen Leid zufügte.
Ich bin mir fast sicher, dass sich Anton Mauss diesem Bedauern und Mitleid mit einer Entschuldigung anschließen würde. Die Strömungen und Gefühle der heutigen Zeit würden seine Sichtweise sicher verändern.
Eine Wiedergutmachung scheint jedoch unmöglich.



Quellen:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/666691/
http://de.wikipedia.org/wiki/Antimodernisteneid
http://www.biographien.ac.at/oebl_6/159.pdf
http://www.ruprechtskirche.at/fragmente0631.htm
http://www.ooegeschichte.at/uploads/tx_iafbibliografiedb/nadl_1996_0181_0201.pdf (Seite 192 ff)
http://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_Chotek_von_Chotkowa
http://de.wikipedia.org/wiki/Fin_de_siècle
Zu Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit (unter Erwähnung des Anton Mauss) siehe Seite 192 ff: http://www.ooegeschichte.at/uploads/tx_iafbibliografiedb/nadl_1996_0181_0201.pdf

Das Geheimnis
Jahre meines Großvaters

Ein Romanfragment
von
Wolfgang Wallner-F.

In Arbeit
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