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12. bis 13. Februar 1990
© Wolfgang Wallner-F.



Würde man Menschen dieses Planeten befragen, was denn am gestrigen Tag besonders gewesen sei, wäre die Antwort meistens unbedeutend.
Teils deswegen vielleicht, da gestern doch ein völlig normaler Wochentag war, der sich nur in der Wertigkeit seines Datums von heute oder vorgestern unterschied, vielleicht aber auch deswegen, weil besondere Erlebnisse doch niemanden was angehen, wie man sagt. Vielleicht aber auch deshalb, da sie, die Menschen dieses Planeten, soviel zu tun haben und das Besondere eines Augenblickes, jedes Augenblickes gar nicht sehen wollen um nicht Gedanken aufsteigen zu lassen, die hinderlich sein könnten, den Nächsten zu betrügen.

Nun, für mich war der gestrige Tag etwas Besonderes.

Es war der Tag, an dem mein Innerstes und Verborgenstes ans Tageslicht trat. Nicht langsam, nicht etwa als zweifellos wünschenswertes Ergebnis einer zehnjährigen psychologischen Therapie. Nein, es kam vielmehr überraschend, ich würde es sogar eruptiv nennen. Und trotzdem kam es dadurch zu keinem "Aha-Erlebnis", zu keinem plötzlichen Erkennen verborgener Zusammenhänge.

Wie so vieles im Leben der Menschen dieses Planeten ist die Geschichte, die vor dem Ausbruch geschah, asymptomatisch, ja im wahrsten Sinne des Wortes banal. Es begann mit einer Schokoladebanane, einer dieser köstlichen Naschereien, in diesem Fall innen gelb, wenn ich mich richtig erinnere und außen von Schokoladeüberzug umgeben. Irgendein verschwindend kleiner Bestandteil dieses einen Exemplars der Köstlichkeit war der Grund. Der intellektuelle Leser wird jetzt bemerken, dass es sich bei meiner Geschichte einfach um den Versuch der literarischen Bearbeitung eines Brechdurchfalls handelt, das Blatt gelangweilt weglegen wollen. Das zu verbieten steht mir nicht zu, auch hat der Intellektuelle ohne Frage recht, wenn er vermeint, meine Geschichte zu durchschauen.

Doch es kommt noch etwas.

Es war in der Nacht darauf. Geschwächt durch den Teil der Schokobanane und gestärkt durch längere Bettruhe, war der Schlaf oftmals unterbrochen, was zur Folge hatte, dass ich mich an die Gedanken oder Träume dieser Nacht besser erinnere.
Es war in einem Land, dessen Sprache ich nicht verstehe, was nicht verwunderlich ist, da ich neben der wohl unschuldigen und unbewussten Aufnahme der deutschen Sprache, sozusagen mit der Muttermilch (wie heroisch!) nur etwas englisch spreche, also in einem der tausend Länder, deren Bewohner anders als deutsch oder englisch sprechen. Ich saß mit Freunden dort und wir sprachen über die Eigenarten dieser Sprache. Das außergewöhnliche an dieser Sprache war - vielleicht und leider nur in meinem Traum - dass es in dieser Sprache kein Wort für "Weg" gab. Es ist dort erst möglich ihn zu benennen, wenn man ihn begeht.
Vielleicht ist es Buddhismus, das Land liegt zwar nicht in Asien, ich empfinde die Menschen, die über eine solche Sprache verfügen jedenfalls als den Gipfel der erreichbaren Weisheit.

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