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Polyphonie
ein
Singspiel
Vorbemerkungen:
Im vorliegenden Stück hat der Zuschauer die Möglichkeit ein verzauberndes Werk kennen zu lernen, das in Ausführung und Wirkung ausgesprochen vielschichtig ist. Nicht nur die Musik hat stark polyphone Elemente, auch das Libretto ist in mehreren Ebenen aufgebaut.
Die Schauspieler treten aus ihren Rollen heraus (Episches Theater), die Rollen selber entwickeln sich im Laufe der Handlung.
Die Handlung und der Text wurde im Buch „Joseph-Der Weg zum Graal“  romanhaft und vielfältig erweitert verwendet.

Protagonisten:

Gott und Hohepriester
Luzifer und Sängerin in einer Band (erkennbar durch Kerzenleuchter oder
Kerzenleuchteremblem auf einem langen, weißen Gewand)
Mann aus dem Publikum (später Josef)
Mädchen
Maus
Mutter
Weib
Die Band
Die Lakaien des Hohepriesters
Mönche
Volk
Weißgekleideter Chor

Inhalt:

1. Akt, 1. Szene
Gott hat seine Schöpfung beendet, bis auf den Menschen. Er erschafft Josef, indem er ihn
aus dem Publikum holt. Gott glaubt, Josef zu seinem Lobe zu brauchen. Tatsächlich braucht
er ihn, um die absolute Liebe zu finden (alle bewusstwerdende Erfahrungen geschehen durch
den Menschen). Josef ist stolz auf seine Aufgabe und freut sich auf deren Nutzen für ihn. Er
geht mit Eifer daran. (Josefs Auftrittslied ist das umgekehrte Thema des Schlussliedes.
Symbolisch bedeutet das in Summe dasselbe, im Ergebnis jedoch eine Umkehrung).

1. Akt, 2. Szene
Luzifer macht Gott darauf aufmerksam, dass Gott nur die absolute Liebe finden kann, wenn
er bereit ist, selbst das zu erleiden, was er Hiob und seinem Sohn (Jesus) angetan hat und
allen Menschen mit dem täglichen Leid immer wieder antut. Nur wer das Leid des anderen
fühlt, hat Verständnis und Toleranz für ihn. Gott jedoch gibt sich selbstgerecht.
Josef singt sein Lebenslied, als er einen Spiegel findet, in dem er sich betrachtet. Plötzlich
wandelt sich das Bild und er sieht zum Missfallen Gottes, der die alleinige Macht über Josef
haben will, ein Mädchen, dessen Liebreiz ihn zu dem Wunsch führt, dass sie ihn immer lieben
möge. Nach der Erscheinung singt Josef sein Lied zu Ende.

1. Akt, 3. Szene
Zeigt das inzwischen erwachsene Mädchen, das zum Weib wurde und mit ihrer Band in
einem Probelokal ein Stück einübt. Luzifer (das vermeintlich Böse, Körperliche und Sündige) ist
mit dem Weib in gutem Kontakt. Er (aber dargestellt von einer Frau) ist Bandmitglied.

1. Akt, 4. Szene
Luzifer und das Weib treten vor den „Vorhang“, um als Schauspieler miteinander zu reden. Sie
erörtern den weiteren Verlauf des Stückes und entscheiden, vom Textbuch Gottes
eigenmächtig abzuweichen, um Josef die Liebe erfahren zu lassen. Danach tragen sie vor
dem „Vorhang“ ein Zwischenszenenlied in englischer Sprache vor. Es besingt die Liebe einer
Mutter über ihren Tod hinaus.

1. Akt, 5. Szene
Das Weib erfährt ihre erste innere Wandlung. Sie befindet sich auf dem Kreuzigungshügel, auf
dem sich ein Endzeitszenario abspielt. Die gequälten Menschen erhoffen sich vom
Gekreuzigten Erlösung, das Weib jedoch hat Mitgefühl für ihn. Sie kann nicht verstehen,
warum ihm keiner hilft („Warum nimmt ihn denn niemand herunter?“). Der Gekreuzigte wird
daraufhin abgenommen. Sie erkennt in ihm ihre große Liebe, Josef. Das Leid Jesu symbolisiert
somit auch das der gesamten Menschheit.
Ein gesungenes Zwiegespräch mit Luzifer über das Sterben Christi und die Schuld der
Menschen beginnt. Das Weib erkennt, dass die Liebe ein Ausweg aus der Schuld ist.

2. Akt, 1. Szene
Josef erwacht. Er träumte des Weibes erste innere Wandlung (die Kreuzigungsszene), erkennt
in ihr jedoch nicht das Mädchen im Spiegel, das seinen Liebeswunsch ausgelöst hat. Voller
Sehnsucht singt er das Lied „Gebet zum Tag“.

2. Akt, 2. Szene
Auf einem Marktplatz, auf dem ein Maifest stattfindet, begegnet Josef dem Weib, das mit
ihrer Band für Unterhaltung sorgen soll. Sie trägt einen Spiegel, der hinunter fällt und zerbricht.
Sie kommen darüber ins Gespräch und erkennen eine gemeinsame innere Entwicklung, ohne
sich je vorher wirklich gesehen zu haben. Sofort sind sie sehr vertraut miteinander. Das Fest hat
begonnen, die Band spielt. Das Volk (Chor) und Josef singen mit. Gott verspürt plötzlich den
Wunsch mit zu singen, also Mensch zu sein, sich unters Volk zu mischen („Was habe ich davon
Gott zu sein, wenn ich nicht einmal singen darf“). Damit hat er den Startschuss für Josefs
Gottwerdung gegeben. Ein Gewitter beginnt. Josef und das Weib flüchten vor dem Regen in
die Kirche.

2. Akt, 3. Szene
Das Weib und Josef erkennen einander mehr und mehr. Sie gestehen einander ihre Liebe,
während es draußen gewittert. Durch Blitze erhellt ist auf der Kanzel Luzifer zu sehen. Das Weib
bemerkt ihn, Josef jedoch nicht, da es nach dem Blitz wieder dunkel wird. Weib und Luzifer
singen ein Lied über Luzifer, den Bewusstseinsbringer. Engel tanzen dazu. Als das Weib sich
wieder Josef zuwendet sieht sie, dass er eingeschlafen ist. Sie kuschelt sich zu ihm und schläft
ebenso ein. Luzifer singt mit dem Chor der Engel und dem Chor der Menschheit von seiner
Sehnsucht nach Rehabilitierung. Dann führt Luzifer das Weib, das immer noch schläft, ihrer
zweiten Wandlung zu. Sie gehen aus der Kirche.

2. Akt, 4. Szene
Die Szenerie der zweiten Wandlung ist die Wüste, in der das Weib vermeintlich vierzig Tage
verbringt. Anhand einer Blume sensibilisiert Luzifer das Weib für die Sehnsucht nach Einheit,
welche als sehnende Liebe fühlbar ist und dem Streben aller Erscheinungen entspricht, sich
mit dem Gegenstück zu vereinen. Das Weib singt das Lied ihres Bekenntnisses zur
bedingungslosen Liebe, welche sie zu Maria werden lässt. Gott spricht zu ihr im Lied, während
Luzifer abgeht.

2. Akt, 5. Szene
In der Kirche. Am Morgen erwachen Josef und das Weib, welches durch ihre Wandlung zur
Maria und durch ihre Liebe zu einem Menschen (Josef), diesen zu ihrem Gemahl, nämlich
Gott werden lässt. Sie singt das Agnus Dei. Das Lied zeigt, dass jeder Mensch nach Bereuung
seiner Sünden und Buße, also tiefster Demut, nur zu innerem Frieden und
eigenverantwortlichem Handeln gelangen kann, wenn er lernt, sich selbst zu verzeihen, also
milde und gütig mit sich zu sein, seine Fehler und Sünden anzunehmen. Er muss das „Böse“
sozusagen integrieren, um es kreativ nutzen zu können und daraus zu lernen, es besser zu
machen.
Josef erkennt im Weib Maria, macht sie zu seinem Weib und wird daher selbst (unbewusst) zu
Gott.
Unter Glockengeläut gehen beide aus der Kirche.

2. Akt, 6. Szene
Wieder auf dem Marktplatz. Hinter Josef geht Gott, hinter Maria Luzifer. Die Szenerie wirkt wie
eine Doppelhochzeit: Maria und Josef, Gott und Luzifer (die sich versöhnt und verbunden
haben. Dadurch kann Gott sich später auch mit seiner Urgefährtin Sophie wieder vereinen).
Die Vereinigung von Gut und Böse, Männlich und Weiblich, Gott und Mensch ist vollzogen.
Alle singen das richtungsweisende Lied „Eines Tags“. Die Zukunft ist deshalb hoffnungsvoll, da
die Menschen lernen werden, den Weg der absoluten und bedingungslosen Liebe zu gehen.
Die Darsteller von Gott und Luzifer laden Personen aus dem Publikum auf die Bühne ein, mit
ihnen Brot und Wein zu teilen.


Hintergrund:

Das Stück behandelt die Entwicklung, den Sinn und Inhalt der Schöpfung unter Einbeziehung der noch nicht abgeschlossenen Bewusstwerdung des Menschen. Das Ziel ist die „Gottwerdung“ des Menschen.
Natürlich kann man über einen „Sinn“ der Schöpfung unterschiedlichster Meinung sein, doch hat jede Diskussion darüber (mit Ausnahme der Befreiung durch den Humanismus und die Aufklärung) der Menschheit keinen wirklichen Fortschritt gebracht.

Tatsache ist es doch, dass der Mensch über Bewusstsein verfügt, dadurch Unterschiede erkennt und – wie überraschend und psychologisch wahr in der Genesis beschrieben – durch sein Bewusstseins aus dem paradiesischen Zustand der Einheit geworfen wurde. Tatsache ist es auch, dass der Mensch darunter leidet und „zwei Seelen ach in seiner Brust“ (Faust) verspürt, die es zu vereinen gilt. Er hat Sehnsucht nach Einheit, sucht diese auch in den Religionen und in Meditationstechniken zu erreichen. Doch betrachtet der Mensch seine Bewusstheit als Hindernis auf dem Weg zur Einheit, er kann aber aus der so behaupteten „Erbsünde“ der Bewusstheit nie hinaus.

Das führt den aufgeklärten Menschen dazu, jeden Glauben (sofern überhaupt vorhanden)als kulturelles Gut zu betrachten und auf eine „höhere“ Ebene zu schieben, die mit dem täglichen Leben nichts zu tun hat. Doch hat uns die Geschichte oftmals gezeigt, wohin eine Existenz ohne Glauben oder ohne Beantwortung der Sinnfrage führt, nämlich zum Untergang dieser Kultur, da den Menschen die Zielrichtung des Lebens, die auch das Innere eines Menschen befriedigen kann, fehlt. Dieser Zivilisation geht ihre innere Kraft verloren. Was das in Zeiten der Globalisierung bedeutet, ist leicht vorstellbar.
Daher ist Religion nie nur als Weltfremdheit anzusehen, sondern jede Religion, jede religiöse Einstellung jedes einzelnen Menschen ist eine psychologische „Wirklichkeit“, die für das Leben notwendig ist. (C.G. Jung meint mit Wirklichkeit jede Erscheinung, die „wirkt“).

Was wäre also zu tun? Eine Möglichkeit wäre, der Mensch bräuchte sich seiner Religiosität nicht zu schämen und erkennt, dass seine Religion mit dem täglichen Leben auf das Engste zusammenhängt. Das hat Jesus schon versucht, doch wurde er in den Himmel erhoben und ruht dort als „guter“ Geist, den man vielleicht bewundert, mehr aber auch nicht.
Was wäre, wenn sozusagen das Neue Testament durch ein „Menschliches Testament“ weitergeführt wird. Es ist doch nicht zu leugnen und auch ersichtlich, dass die Menschheit Ursachen und Wirkungen seit Anbeginn der Geschichte immer mehr vom Außen ins Innere verlegt hat.
Auch Gott war, in welcher Form auch immer, ursprünglich nur außerhalb des Menschen, ja auch außerhalb der gesamten Schöpfung. Erst der Wissenschaft und der Psychologie (also der Aufklärung) ist es zu verdanken, dass Ursache und Wirkung im Menschen selbst liegen (Ursache in seinem Willen, Wirkung in seiner Beobachtung, siehe Quantenmechanik: Die Wirkung ist vom Beobachter nicht mehr getrennt).
Jesus sagt uns, dass wir seinem Beispiel folgen sollen, dass wir ihn (Jesus) in uns aufnehmen sollen und so weiter.
Wir sollen also selbst zu Gott werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Menschen „nur“ Gottesmacht erhalten, vielmehr bedeutet das eine Übernahme jeglicher Verantwortung für jeden Teil der Schöpfung, aber auch größte Demut vor jedem Geschöpf. Ist doch jeder Teil der Schöpfung ein Teil des Menschen selbst. Dies deshalb, da nur vorstellbar ist, dass vor dem Urknall alle offensichtlichen und verborgenen Erscheinungen zumindest in deren Möglichkeiten bereits vorhanden waren. Woher sollten diese sonst auch kommen?
Das kann aber nur bedeuten, dass jeder vorstellbare Gedanken des Menschen auch in irgendeiner Form in einer Realität besteht, woher sollte dieser Gedanke sonst kommen?
Also auch der Gedanke an Gott (und natürlich auch die Gedanken, die zur Verfassung des Stückes „Polyphonie“ führten, sieh da!) Wir könnten also zu der vorläufigen Hypothese kommen, dass irgendetwas die „Welt“ schuf. Diese Welt existiert seit dem Zeitpunkt auf einem physikalischen Ereignisstrahl, in dem aber Gott selbst (für den aufgeklärten Menschen) nicht mehr außen vorkommt (der ist beim Ursprung zurückgeblieben).
Dieser außen nicht mehr vorkommende Gott war spürbar durch eine Einheit, die Sehnsucht nach dieser Einheit ist beim Menschen die Liebe und zwar in jeder Form. Absolute Liebe ist daher die Einheit selbst. Der Mensch war ursprünglich natürlich Teil des Ganzen (woher käme er sonst).

Aber vor dem Urknall muss jeder Teil in allen anderen Teilen enthalten gewesen sein (woher kämen die Teile sonst). Das bedeutet, jeder Teil der Schöpfung muss jeden Teil in sich enthalten. Das führt zur unbedingten Verantwortung jedes bewussten Teiles (des Menschen) für die gesamte Schöpfung und das ist keineswegs ein hehrer Gedanke, sondern einfach logisch.
Übernimmt der Mensch nicht die Verantwortung, dann tötet er sich selbst, diese Entwicklungsrichtung ist auch erkennbar. Um dieses Gedankenmodell zu vervollständigen muss noch angeführt werden, dass beim Vorhandensein jeder Möglichkeit vor dem Urknall auch die Möglichkeit des „Nichturknalls“ vorhanden sein muss. Und wenn die Möglichkeit vorhanden ist, muss auch eine entsprechende „Realität“ vorhanden sein. Das bedeutet aber nicht weniger als dass der Mensch mit seinem Bewusstseins noch immer neben seiner „irdischen“ Existenz auch in der Einheit vor dem Urknall existieren muss, dass er also tatsächlich Gott ist, nämlich der in der Bibel beschriebene Schöpfer.

Die Zukunft in der letzten Szene des Stückes erscheint deshalb hoffnungsvoll, da das Bewusstseins eines einzigen Menschen über seine Göttlichkeit (wie im 2. Akt, 5. Szene beschrieben) ausreicht, um andere über deren Göttlichkeit aufzuklären (jeder Teil spiegelt die Gesamtheit).
Eine Gefahr (und eine Verantwortung für den Textautor) besteht aber darin, dass nach C.G. Jung die Individuation für den Menschen nur dann erreichbar ist, wenn vorher der so genannte „Schatten“ integriert ist, der auch sonst im Außen durchaus existent wird. Um also zu vermeiden, dass Gottes Schatten (das „Böse“ in der Apokalypse) wirksam wird, muss der Mensch dieses „Böse“ zuerst integrieren. In der Genesis hat der Mensch Gott als das Gute (im Paradies) definiert und gleich erscheint folgerichtig sein Schatten, die Schlange.

Aus diesem Hintergrund entstand das Werk „Polyphonie“ und der Textautor hat diesen Gedankenhintergrund auch nachvollziehbar im Libretto eingebracht. Da aber, wie bei Goethes „Faust“ (der Vergleich ist angebracht), dessen Wirkung nicht durch ein wissenschaftliches Verstehen des Werkes sondern durch Befassung mit dem Werk erreicht wird, außerdem jede „entfremdete“ Wissenschaft nur zur weiteren Trennung der „beiden“ Seelen führt, ist es beabsichtigt, das Werk „Polyphonie“ einfach „wirken“ zu lassen und das Gefühl, dieses vor allem durch die Musik, aber auch den Verstand, zum Teil durch die Verwendung von Elementen des so genannten „Epischen Theaters“, anzusprechen.

Die Handlung und der Text wurde im Buch „Joseph-Der Weg zum Graal“  romanhaft und vielfältig erweitert verwendet.
Home.Bio.Der Sammler.Bücher.Radio Lesung.Sonstige Werke.Aus dem Tagebuch.Kontakt.Links.

Verlegt (Aufführungsrechte und Noten) bei: