Wolfgang Wallner-F.
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Sonstiges z. B. Messen

Wiener Neustädter Weihnachtsmesse

Im Jahre 2001 gab die Arbeit an einem religiösen Singspiel (Polyphonie) den Autoren Dorrit Maria Hanke (Musik) und Wolfgang Wallner-F. (Text) den Anstoß zur Gestaltung einer katholischen Messe.  
Besonders sollte an dieser Messe sein, dass die Musik und der Text im Rahmen der liturgischen Vorgaben vor allem das Gefühl der Andächtigen berührt und bewegt.
Außerdem war ein Handlungsablauf, wie ihn eine Messe ja bietet, gewollt und das Werk sollte zusätzlich den Zuhörer mit einem Auftrag entlassen.

 

So wurde von Dorrit M. Hanke geplant, die Musik ähnlich der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert als Gebrauchsmesse für die Gemeinde zu komponieren.
Die Messe sollte eine Weihnachtsmesse werden.

Gerade diese Zeit ist aber für den modernen Menschen oftmals mit negativem Stress verbunden.
Es sollte für den Zuhörer erreicht werden, dass die Messe eine Neugierde und ein Interesse erweckt, wie sie in der Weihnachtszeit bei Kindern zu finden ist. Daher wurden im Text märchenhafte Anspielungen eingebaut, die geeignet erschienen, im Zusammenhang mit der gefühlvollen Musik den Andächtigen zu verzaubern, wenn er sich darauf einlassen will.
Der Zuhörer sollte - wie die Hirten am Felde - von der Geburt des Kindes hören und sich auf die Suche nach ihm begeben.
In der heutigen Zeit wäre es wahrscheinlich schwierig, das Gotteskind wahrzunehmen, so erbittet der Messebesucher, das Kind auch zu erkennen, wenn er es findet.
Wie Gott uns aufnimmt, so will der andächtige Gläubige in seinem Inneren Christus ein Heim bieten und mit der festen Absicht, die frohe Kunde weiterzugeben, wird er die Empfindungen dieser Nacht aus der Kirche tragen.

Dies wäre - ganz kurz gefasst - die „Dramaturgie“ der Messe.

 

Als die Messe fertig war, wussten die Autoren nicht, wer an der Aufführung Interesse haben könnte. In dieser Zeit schrieb W. Wallner F. folgende Kurzgeschichte:

 

Das Blatt

 

Eben, als er sich bücken wollte, um das Stück Papier vom noch feuchten Boden der Straße aufzuheben, kam der Bus. Es war schon ziemlich spät, und als er den Platz in der letzten Reihe sah, hatte er das Papier eigentlich schon wieder vergessen. Solche Papiere erweckten zwar oftmals seine Neugierde, doch jedes Mal war er, falls dort Worte geschrieben waren, von deren Banalität enttäuscht. Nie fand er die Worte, die er suchte und von denen er ahnte, dass sie für ihn wichtig wären. Es konnte doch nicht möglich sein, nirgends eine Antwort auf seine Fragen zu finden. Wie solche Blätter, allerdings bei trockenem Wetter, fühlte er sich. Von der Sonne ausgebleicht, vom Wind herumgeweht, voll Banalität oder Leere.

 

Nicht immer war es so gewesen. Voll Lebendigkeit und Versprechen für die Zukunft war seine Kinderzeit. Durstig nach Wissen hatte er begierig gesaugt, doch was er eigentlich suchte, war nicht einzusaugen gewesen. Das Saugen wurde zum Selbstzweck und er suchte nur mehr in den Blättern, die zufällig am Wegrand lagen und die genau genommen anderen unwichtig waren.

 

Das Blatt wurde vom nächsten Auto aufgewirbelt und flog auf den Gehsteig, wo es mit dem Rücken nach unten liegen blieb.

 

Der Straßenkehrer hob das Blatt auf, warf es in seine Truhe, wunderte sich ein wenig über das, was er lesen konnte und dem er keinen Sinn zuordnete. Stand dort doch; „Treffe dich morgen bei Sonnenaufgang, gleicher Platz, gleiche Zeit wie immer. Ich warte auf dich. Dein Leben.“

 

- - - - -

 

Ein paar Tage später, im August 2002,  ging Dorrit M. Hanke mit dem Hund „Gassi“ und sah auf der Fahrbahn einen Zettel, den sie aufhob, obwohl sie sonst wegen des Hundes unverzüglich die Straßen überquert.

Auf diesem Zettel waren Teile der „Deutschen Messe“ in Noten und Text angeführt und auf eine bereits vergangene Festmesse in der Wiener Karlskirche hingewiesen, die der Militärbischof von Österreich gefeiert hatte.
 

Sensibilisiert durch die Kurzgeschichte rief die Komponistin das Büro des Militärbischofs an, um die Messe ihm zu schenken.
Einige Tage später rief der Bischofvikar, Herr Dr. Franz Fahrner im Auftrag des Militärbischofs an, um die Messe kennen zu lernen.
Am 11. September 2002 (dem Geburtstag der Komponistin) hörte sich Dr. Fahrner die in eine elektronische Orgel eingespielte Messe an.
Beeindruckt von der bei ihm eingetretenen „Verzauberung“ wollte der Bischofvikar über eine mögliche Verwendung für die Messe nachdenken.
Nach kurzer Zeit kam die Idee, diese Messe doch dem Hochehrwürdigsten Militärbischof, Herrn Mag. Christian Werner zu dessen 25-jährigen Priesterjubiläum zu widmen.
Der Herr Bischof stimmte zu und es war beabsichtigt, die Messe am 25. Dezember 2002 in der St. Georgskirche in der Wiener Neustädter Burg uraufzuführen.
So wurde die Messe zur „Wiener Neustädter Weihnachtsmesse“, da der Sitz des Militärbischofs ja Wiener Neustadt ist.
Für die Messe (nicht aber natürlich grundsätzlich) bedauerlich stellte sich heraus, dass an diesem Tag bereits ein Hochamt stattfand, es war ja auch schon spät im Jahr und die Weihnachtsfeiern schon geplant.
So ergab sich die interessante Alternative, die Messe am 26. 12. 2002 in der Militärpfarre Wien, der ehemaligen K.u.K. Invalidenkirche in 1130 Wien, Fasangartengasse 101 aufzuführen.

 

Durch die märchenhafte aber wahre Geschichte der Entstehung der Messe wurde also die „Wiener Neustädter Weihnachtsmesse“ in Wien uraufgeführt, was aber nicht daran hindern soll, die Aufführung der Messe in Wiener Neustadt nachzuholen.

Bei der Uraufführung wurde die Messe in der Besetzung Frau Gertrud Dozler, Alt; dem Chor „Allegro Vivace“ unter der Leitung von Frau Teréz Illés; Frau Johanna Dozler, Flöte; Herr Sebastian Dozler, Cello; Frau Zsuzsanna Leitner, Trompete; Herr Stefan Tomek, E-Bass und Frau Dorrit Maria Hanke, E-Orgel dem Militärbischof und dem Hörer dargeboten.
In späterer Folge könnte die Messe aber durchaus als von der Gemeinde gesungene, weihnachtliche „Gebrauchsmesse“ Verwendung finden.

 

Auf den Ankündigungen zur Messe war zu lesen:
„Wollen Sie zum Abschluss der Weihnachtsfeiertage noch ein Erlebnis haben, dass Sie möglicherweise verzaubern könnte?“  
Und: „Die Messe ist mit der Absicht geschaffen, den andächtigen Zuhörer wieder zum staunenden Kind werden zu lassen. Wir alle hoffen, dass uns das mit Ihrer Hilfe gelingen wird“.  
In diesem Sinne ist neben den Musikern als weiterer Mitwirkender auch angeführt: „ . . . und Sie als verwandelbarer Hörer.“

 

Am 26.12.2002 war die kleine Kirche der Militärpfarre Wien bis zum letzten Stehplatz  besetzt.
Die Aufführung wurde zu einem großen Erfolg. Einige Besucher der Messe haben aus Rührung geweint.
Es war aber auch beabsichtigt, dass der andächtige Hörer wieder zu einem „staunenden Kind“ wird und damit auch den „Kanal“ des Glaubens wieder öffnet.

 

Musikalische Beispiele aus der Wiener Neustädter Weihnachtsmesse

Agnus Dei

Gabenbereitung

Kommunionslied

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Wiener Neustädter Weihnachtsmesse

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